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13.01.2015
Nicht aufgeben: Schleiz will Kreisstadt und Rennstadt bleiben

Der Schleizer Bürgermeister Juer­gen K. Klimpke (SPD) hat im Interview mit der Ostthüringer Zeitung unter anderem ­erklärt, was er von einer mög­lichen Kreisgebietsreform denkt und welche Zukunft das Schleizer Dreieck hat.

Linke, SPD und Grüne haben sich im Landtagswahlkampf für eine Kreisgebietsreform ausgesprochen. Wäre es bitter für Sie, wenn mit der SPD ausgerechnet Ihre Partei dazu beitragen würde, dass Schleiz seinen Kreisstadtstatus verliert?
Eine Kreisreform wird keine Einsparungseffekte bringen. Wo in Ostdeutschland Kreise zusammengelegt wurden, funktioniert es jetzt auch nicht besser. Oftmals gibt es sogar große Nachteile. Und in Bayern weiß man sehr genau, weshalb man an den 1972 gebildeten Landkreisen nicht mehr rüttelt. Der Verlust des Kreisstadtstatus ­wäre nicht nur schlecht für Schleiz, sondern ein Rückschlag für die ganze Region. Seit 1918 hat es in unserer Region drei größere und mehrere kleinere Veränderungen der Landkreise gegeben. Wir reden bei langfristigen Entwicklungen über Zeiträume von mindestens 30"Jahren. Wenn man alle 20"oder 25 Jahre die Verwaltungsstrukturen ändert, braucht man auch keine langfristigen Planungen mehr. Da fehlen jede Verlässlichkeit und Kontinuität.

Was würde die Stadt Schleiz schwerer verkraften: Den Verlust der Arbeitsplätze in der Kreisverwaltung und der Kreissparkassenzentrale oder die Kürzung der Landeszuweisung finanzieller Mittel?
Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Verlust des Kreisstadtstatus und Zuweisungen vom Land. Zu den Zuweisungen vom Land: Ich hatte einmal gedacht, es kann nicht schlimmer kommen, als dass uns das Land gar nichts mehr zahlt. Finanz­minister Wolfgang Voß von der CDU führte dann die Finanzausgleichsumlage ein - eine Art Reichensteuer für Kommunen. Es kam also schlimmer. Für Schleiz kann es nicht heißen: Was ist schwerer zu verkraften? Unsere Aufgabe ist es, für viele Eventualitäten vorbereitet zu sein. Wir können jammern und ständig mit dem Finger auf andere zeigen oder selbst die Initiative ergreifen und uns fit für die Zukunft machen. Ich mache lieber letzteres.

Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Indem wir unsere Stadt attraktiv für weitere Gewerbeansiedlungen und den Zuzug neuer Einwohner machen. Zum einen, um möglicherweise wegbrechende Arbeitsplätze in den Verwaltungen zum Teil auffangen zu können, zum anderen, damit nicht zu viel Kaufkraft verloren geht. Ich hoffe nicht, dass Schleiz­­ ­seinen Kreisstadtstatus verliert, sonst stünden mindestens 600"Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ich werde alles in meiner Kraft stehende tun, dass Schleiz Kreisstadt bleibt.

Schleiz ist nicht nur Kreisstadt, sondern auch Rennstadt. Viele Motorsportfreunde sind verunsichert. Denn die Betreibergesellschaft hat wegen der unsicheren Rechtslage im Streit mit einer Bürgerinitiative für 2015 vorsorglich ­alle Motorsportrennen auf dem Schleizer Dreieck abgesagt, während im Internet ­Termine für Rennen kursieren. Wie kann Schleiz einen Imageschaden verhindern?
Von einem Imageschaden würde ich nicht sprechen. Auch andere Rennstrecken haben Pro­bleme. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Jetzt geht es darum, dem Schleizer Dreieck eine Zukunft zu geben. Wie die aussieht, sollten wir in Ruhe erarbeiten. In einem bin ich mir ­sicher: Das Schleizer Dreieck wird weiter existieren. Allerdings hat sich die Mentalität der Zuschauer geändert. Das liegt auch daran, dass Motorsport heute in den Medien ständig präsent ist. Beim Fußball ist es ähnlich. Sehen Sie sich die Zuschauerzahlen des Schleizer Fußballs in den 1960er und 1970er Jahren an und besuchen Sie heute ein Heimspiel. Die Veranstaltungen am Schleizer Dreieck müssen moderner werden. Der alte Charme mag zwar für ältere Fans reizvoll sein, für künftige Zuschauergenerationen ist er es gewiss nicht.

Die Linke hat im Landtagswahlkampf angekündigt, einen öffentlichen Beschäftigungssektor mit mindestens 2500 längerfristigen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für langzeitarbeitslose Menschen zu schaffen. Würden Sie sich dafür stark machen, dass auf diese Weise eine stabile Beschäftigungssituation im Schleizer Tierheim, aber auch in die Schleizer Tafel käme?
Das Ziel eines solchen Programms sollte es sein, dass eine Tafel gar nicht mehr benötigt würde. Dann wäre das Programm sinnvoll. Dem Tierheim in unserer Stadt ist allein mit Arbeitsplätzen nicht geholfen. Die wären ein Pflaster, aber nicht das Allheilmittel. Hier müssten endlich vom Land her neue Strukturen und Finanzierungswege für Tierheime geschaffen werden. Das wäre sinnvoller und hilfreicher.

Potenzielle Hausbauer beklagen, dass sie in Schleiz nur schlecht einen Bauplatz finden. Plant die Stadt neue Baugebiete oder sollen innerstädtische Baulücken besser vermarktet werden?
Beides ist wichtig und wird angepackt. Auch deshalb arbeiten wir derzeit am Stadtentwicklungskonzept. Übrigens: Es gibt in Schleiz freie Bauplätze. Aber wir werden jetzt auch ein Baugebiet ausweisen, an dem seit den 1990er Jahren gearbeitet wird. Die letzten Hürden dazu sollen 2015 genommen werden. Wir sollten aber daran denken, verantwortungsvoll mit dem uns von der Natur überlassenem Land umzugehen. Es ist nur begrenzt vorhanden.

Die beiden Gemeinschaftsanträge mehrerer Fraktionen zur Entwicklung der Handels­flächen Admira-Center und Nikolaistraße 39 wurden zur jüngsten Stadtratssitzung in den nicht öffentlichen Sitzungsteil verwiesen. Wie geht es weiter mit der Entwicklung dieser Gebiete?
Derzeit wird der Bebauungsplan Nikolaistraße 39 erstellt. Die Arbeiten dazu laufen. Im März wird es dazu eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung geben. Für das Admira-Center gibt es einen gültigen Bebauungsplan, der alle notwendigen Regelungen enthält.

Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokalausgabe Schleiz vom 13.01.2015

Einzelinterviews
Traum ODER Wirklichkeit? – Die Zunkunft des Schleizer Dreiecks

Walther Röhrl
Ehemaliger Rallye-Weltmeister

Hans-Joachim Stuck
Ehemaliger Formel 1-Fahrer / Präsident, Deutscher Motorsport Bund

Jochen Maas
Ehemaliger Formel 1-Fahrer

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff
Initiator und Entwickler, Bilster Berg Driver Resort

Dr. Stefan Brungs
Geschäftsführung Vertrieb/Marketing, Bugatti Automobiles SAS

Christian Uhrig
Marketing Leiter, Jaguar Land Rover Deutschland GmbH

Hannes Neupert
Vorsitzender, ExtraEnergy e.V. / Pedelec-und E-Bike-Experte

Knut Beinlich
Teamchef, Beinlich Racing Team e.V.

Justin Hänse
Fahrer, Beinlich Racing Team e.V.

Max Köhler
Fahrer, AMC Schleizer Dreieck e.V., im ADAC

Michael Krings
Vorstand, MSC Schleizer Dreieck e.V. im ADAC

Kläger
Bernd Reiße

Heinrich XIII. Prinz Reuß
Initiator „PRO Schleizer Dreieck“

 

Veranstaltungen auf dem Dreieck 2016

25.-27.05.2018
Sparkassen Frühjahrsrennen
MSC Schleizer Dreieck

09.-10.10.2018
IFA- und Traktorentreffen
Veranstalter:

15.-17.10.2018
FSP German TT
Veranstalter: TRF Thüringer Sportmarketing GmbH

23.-24.06.2018
Jedermann Radrennen
Veranstalter: Stadt Schleiz

30.06.-01.07.2018
L8 night Tuningtreffen
Veranstalter:

06.-08.07.2018
VFV Classic "Freddy Kottulinsky"
Veranstalter: VFV / DHM

27.-29.07.2018
84. Int. Schleizer Dreieckrennen/IDM
Veranstalter: MSC Schleizer Dreieck