Die Geschichte des Schleizer Dreieckrennens

Benzinverbrauchsfahrten eine Erfindung der Neuzeit – weit gefehlt! Bereits im Jahre 1923 wird eine solche Fahrt zum Geburtshelfer des Schleizer Dreiecks. Schon Anfang der 20-er Jahre erregte der Benzinpreis die Gemüter der Kraftfahrer. Deshalb suchten die Verantwortlichen des Gau II a des ADAC Thüringens nach einer geeigneten Rundstrecke für eine Gebrauchs- und Brennstoffprüfung. Sie entschieden sich nach einer längeren Prüfung für das Straßendreieck bei Schleiz. Karl Slevogt, damaliger Leiter der Apollo-Werke in Apolda und Gausportleiter fand die Strecke beim studieren der Landkarte. Während der damalige Gauvorsitzende Alfred Pflüger (Erfurt) die öffentlichen Straßen südlich der Ostthüringer Kleinstadt Schleiz persönlich inspizierte. Gesucht wurde eine Strecke mit anspruchvollen Kurven, Steigerungen und Gefälle, des Weiteren sollten kurze gerade Passagen vorhanden sein. Dies alles hatte Schleiz zu bieten. Die Strecke entsprach den damaligen Forderungen, die in den 20-er Jahren an einen anspruchsvollen Rennkurs gestellt wurden. Die Straße befand sich für damalige Verhältnisse in einem sehr guten Zustand.

Wohl keiner hat 1923 daran geglaubt, dass diese Strecke einmal über acht Jahrzehnte bestand haben sollte. Im Gegenteil - kaum jemand gab dem Dreieck wegen seiner damaligen schlechten Verkehrsanbindung große Überlebenschancen. Der Startschuss zur ersten Veranstaltung fiel am 10. Juni 1923 - eine Brennstoffprüfung. Die Schleizer Zeitung bemerkte in ihrer Ausgabe nach der Veranstaltung: „Es ist eine vorzügliche Fahrbahn für Hindernisrennen von Automobilen und Motorrädern, wie wir weit und breit keine bessere finden.“ Schon damals löste der Motorsport den Strom der Massen aus. „Obwohl es uns auch sonst an Autoverkehr nicht fehlt, sammelten sich alsbald so viele Kraftwagen und Motorräder in der Stadt, dass es schwer wurde die Insassen in den Gasthöfen unterzubringen und Bürgerquartiere zu Hilfe genommen werden mussten," fährt das Blatt weiter fort.

 Toni Bauhofer
Der Start befand am Gasthof „Weidmannsruh“ in Oberböhmsdorf – für Kenner des heutigen Dreiecks, die Zielkurve. Ein Ziel im eigentlichen Sinne gab es nicht. Die Fahrer mussten nach dem Verbrauch von 5 Litern Benzin ihr Fahrzeug verlassen und auf das Schlussfahrzeug warten. Dieses nahm die zurückgelegte Entfernung auf und händigte Benzin aus, damit eine selbstständige Rückfahrt möglich wurde. Die weiteste Strecke – 87,3 km - legte bei den Wagenfahrern Huldreich Heusser auf einem fünf PS starken Wanderer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,4 km/h zurück. Bei den Motorradfahrern ging der Apoldaer Raebel als Sieger hervor. Er sicherte den Tagesieg (64,2 km/h) mit einer 1000 ccm Mars.

Nur ein Jahr später erlebte das Schleizer Dreieck die Geburtsstunde der „Deutschen Kraftradstraßenmeisterschaft“, dem Vorläufer der heutigen Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Bis dahin gab es in Deutschland nur eine Bahnmeisterschaft, die auf Zementbahnen ausgefahren wurde. Nach sorgfältigen aussortieren und einigen Absagen gingen immerhin 53 Fahrer an den Start. Beachtenswert die Markenvielfalt in der damaligen Zeit – die Motorradmarken schossen wie Pilze aus der Erde und verschwanden im Kampf um den technischen Fortschritt ebenso schnell wieder. Neben den heute noch bekannten Marken standen u.a. mit Ewans, Eichler, Cockerell, Baumeister und Curvy Motorräder am Start, die heute sicher nur noch Insidern bekannt sein dürften.

Der Höhepunkt des ersten Deutschen Meisterschaftslaufes war das Rennen der Klasse über 500 ccm. Sieger und erster Titelträger wurde der spätere Publikumsliebling in Schleiz, Toni Bauhofer aus München auf einer Megola. Auch für die Sicherheit wurde für die damaligen Verhältnisse gesorgt. An den Kurvenrändern wurde loses Erdreich geworfen und Moos darüber gedeckt! In dieser Zeit gab es noch keine reinrassigen Rennmaschinen. Nummernschild und Hupe waren an den Maschinen selbstverständlich, nach dem Rennen wurde mit selbigen nach Hause gefahren. Die deutsche Presse stimmte ein Loblied auf die idealste Rennstrecke für Motorräder dieser Zeit an. Fünf Telefonanschlüsse rund um die Strecke und eine moderne Zeitnehmertribüne stehen für die technische Weiterentwicklung im Umfeld dieser Veranstaltung.

Im Jahre 1926 setzte sich die Deutsche Kraftradmeisterschaft erstmalig aus mehreren Läufen zusammen. In Schleiz erhielt den sechsten Lauf des Jahres. Als moralischer Sieger des Tages ging Toni Bauhofer auf seiner BMW in die Geschichte ein. Seine Leistung war so überragend, dass nach seinem Ausfall durch einen technischen Defekt die Abwanderung der Zuschauer begann.

Ein Jahr später sicherte sich Paul Rüttchen erstmalig den von der Stadt Schleiz gestifteten Wanderpokal für den schnellsten Fahrer. Der Erkelenzer gewann bereits zum dritten Mal in Folge in Schleiz. Er verbesserte die Durchschnittgeschwindigkeit auf 92 km/h. Im Gegensatz zu heute hört sich diese Zeit nicht umwerfend an. Aber das Ganze kommt sofort in ein anderes Licht, wenn wir uns in die damalige Zeit versetzen. Die gesamte Strecke war in jenen Jahren eine einfache sandgeschlämmte Decke. Zwischen Heinrichsruh und Waldkurve belief sich die Straßenbreite zwischen vier und fünf Metern. Nicht zu vergessen um den ganzen Kurs standen Bäume bzw. Alleen am Straßenrand. Es erforderte schon viel Mut um ordentlich Gas zu geben. Die Seng erhielt erst im Jahre 1929 als erster Streckenabschnitt eine Teerdecke.

   Paul Rüttchen
Beim 7. Schleizer Dreieckrennen überstieg die Zuschauerzahl erstmalig die 100 000 Grenze, eine bis dahin unbekannte Anzahl an Besuchern. Viele große Fahrer gaben als Nachwuchsfahrer in Schleiz die ersten Kostproben ihres Könnens ab. 1932 war es der junge Bernd Rosemeyer. Er siegte in der Klasse bis 500 ccm souverän. Sein weiterer Weg zum Auto-Union-Werksfahrer bis hin zu seinem tragischen Tod ist hinreichend bekannt. 1932 und 1933 gab es für das Dreieckrennen bis dahin etwas Einmaliges. Zwischen den beiden DKW-Fahrern Geiß und Winkler endete der Lauf in der 250 ccm Klasse in einem toten Rennen, beide wurden zum Sieger erklärt. 1933 hatten die Automobile einen einmaligen Auftritt
auf dem Dreieck vor dem 2. Weltkrieg, ohne dabei ein interessantes Rennen für die Zuschauer zu bieten. Die Zahl der Ausfälle nahm bedenkliche Formen an. Aber immerhin sahen die Zuschauer mit Kohlrausch und v. Delius spätere Größen des deutschen Automobilrennsports.

Nicht nur im Alltag machten sich im Jahre 1934 die politischen Umwälzungen im gesamten Land bemerkbar, sondern auch im Sport. Am Dreieck übernahm die Gesamtleitung die ONS. Der ADAC musste die sportliche Durchführung an den DDAC abtreten. Selbst Rennleiter Johannes Wächter passte nicht mehr in das Konzept der braunen Herrscher und wurde abgelöst.

Ein Jahr später waren die Probleme ganz anderer Art - im Vorfeld gab es große Schwierigkeiten mit der Durchführung der Rennveranstaltung. Der Streckenabschnitt zwischen Heinrichsruh und Waldkurve entsprach nicht mehr den modernen Anforderungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten lagen immerhin schon bei 120 km/h und die Strecke war an dieser Stelle in einem sehr schlechten Zustand. Die Schleizer Behörden setzten alle Hebel in Bewegung um das Rennen zu erhalten. Nur aus eigener Kraft war es nicht möglich. Mit der Hilfe des thüringischen Staatsministeriums gelang es jedoch die notwendigen Umbauarbeiten in die Wege zu leiten. Da die Veranstaltung am Anfang des Jahres nicht national genehmigt wurde, sah sich die Rennleitung gezwungen das Rennen im internationalen Terminkalender aufnehmen zu lassen. Nach diesem Kraftakt der Genehmigungen und dem rechtzeitigen Ausbau, wurde das 13. Schleizer Dreieck Rennen unter der Bezeichnung "Internationales Rundstreckenrennen in Thüringen" ausgetragen. Schleiz und seinem Dreieck war es wieder gelungen zu einer festen Größe im Motorsportkalender zu werden. Erstmals traten die Seitenwagen auf den Plan, eine neue Attraktion für die begeisterungsfähigen Zuschauer.

Zum letzten Mal vor dem 2. Weltkrieg gingen 1936 internationale Gäste an den Start. Die Besetzung konnte sich sehen lassen. Neben der gesamten deutschen Elite, kamen u.a. die Engländer Fergus Anderson und Ted Mellors, Simo (Spanien), Novotny (Österreich), Binder (Holland) sowie weitere ausländische Werksfahrer nach Schleiz.

Das graue und diesige Wetter passte zu diesem Abgesang des Schleizer Dreiecks am 22. August 1937. Immerhin säumten noch einmal über 70 000 Zuschauer die Strecke. Bei dieser Rennveranstaltung sollte auch der Stern eines der größten deutschen Motorradrennfahrer zu leuchten beginnen. Am ersten Trainingstag wurden die Zuschauer auf einen Fahrer aufmerksam, der mit einem ölgrünen Lederanzug auf einer Werks-BMW um den Kurs jagte und von Runde zu Runde immer schneller wurde. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt wer dieser Rennfahrer war. Erst langsam sickerte durch, dass die Werks-Mannschaft von BMW das Training dazu nutzte, den bis dahin nur geländeerfahrenen Georg Meier auf seine Ambitionen für den Straßenrennsport zu testen.

Ü berschattet wurde die Rennveranstaltung mit dem tragischen Tod des Seitenwageneuropameisters Karl Braun (Karlsruhe/DKW) im Rennen der Gespanne bis 600 ccm. Gleich in der ersten Runde wurde er mit Beiwagenfahrer Erwin Badsching eingangs der Ortschaft Oberböhmsdorf – heute Karl-Braun-Höhe- aus der Kurve getragen. Dann wurde es still um das Schleizer Dreieck. Die Solitude und andere deutsche Rennstrecken einschließlich Schleiz standen nicht mehr im Terminkalender des Straßenrennsportes. Niemand kümmerte sich mehr um die Strecke, sie verwahrloste. Der Krieg kam, Panzer rollten darüber hinweg und der Frost zersprengte den Asphalt. Auf diesen klassischen Boden des Motorrennsportes senkte sich tiefste Nacht.

Bis 1948 sollten die Motorengeräusche auf dem Dreieck verstummen. Am 17.Oktober war es endlich wieder soweit. Nachdem die Rennfahrerkollegen in den Westzonen längst wieder kräftig am Gashahn drehten, tat sich bis dahin im Osten nichts. Die Initiative für den motorsportlichen Auftakt im sowjetischbesetzten Teil Deutschlands ging von den Jenaer Motorsportanhängern aus. Der bekannteste Starter an diesem Tag war der DKW-Werksfahrer Siegfried Wünsche. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt auch ein Neuanfang für ihn. Er ging mit einem DKW - Geländesportmotorrad an den Start und schaffte immerhin ein Stundenmittel von 98, 71 km/h. Nach diesem inoffiziellen Beginn, ging es 1949 wieder richtig zur Sache. Bereits ein Jahr später fand vor über 250 000 Zuschauern der einzige gesamtdeutsche Meisterschaftslauf während der Trennung der beiden deutschen Staaten statt. Eine Zahl, die wohlgemerkt an einem Tag – später nahm man das gesamte Wochenende als Maßstab - erreicht wurde und dies bei nassen und recht herbstlichen Wetter am Renntag. Es blieb bis zum heutigen Tag der absolute Besucherrekord in Schleiz. Außerordentlich interessant ein Blick in das Fahrerlager. Zum ersten Mal bot sich den Ostdeutschen ein Überblick auf das gesamtdeutsche Maschinenmaterial. Erschienen waren die Rennställe von BMW, NSU, DKW und Horex. Erneut waren es die Vorkriegs-Heroen, die die Massen zu begeistern wussten – u.a. Georg Meier, Heiner Fleischmann, Siegfried Wünsche und die Gespannpiloten Böhm/Fuchs. Die westdeutschen Fahrer blieben auf dem Dreieck bis zum Bau der Mauer gern gesehene Gäste, doch mit der Gemeinsamkeit in Sachen Motorsport war es schließlich ab August 1961 vorbei.

 Gespannrennen waren bis 1959 immer
 ein Höhepunkt
Während in den ersten Nachkriegsjahren fast ausschließlich deutsche Fahrer ihre Maschinen an den Start schoben wurden im Jahre 1956 erstmalig internationale Rennen ausgetragen. Gleich zweimal Mal stand der neue Publikumsliebling Robert Brown aus Australien auf dem Siegerpodest. Besonders bei den ausländischen Privatfahrern erfreute sich die Strecke zunehmender Beliebtheit, die in Abwesenheit der Werksrennställe ihre Siegeschance suchten. Klangvolle Namen wie u.a. Luigi Taveri (CH), Jim Redman (Rhodesien), Laslo Szabo (Ungarn) und John Hemplemann sorgten für Schlagzeilen auf der Schleizer Rennstrecke.

Als ein trauriger Höhepunkt ging die 26. Rennveranstaltung (1959) in die Geschichte des Dreiecks ein. Alle deutschen Spitzenfahrer der Gespannszene, darunter Max Deubel (Weltmeister 1961 bis 1964), Helmut Fath (Weltmeister 1960/68), Arsenius Butscher, Alwin Ritter und der Schweizer Fritz Scheidegger (Weltmeister 1965/66), stellten sich den Starter. Eigentlich sollte das Gespannrennen den spannenden Renntag abrunden. Niemand ahnte im Vorfeld, welche Folgen dieses Rennen für den Gespannsport im Osten Deutschlands und insbesondere für das Dreieck haben sollte. Bereits in der Startrunde kam es in der Anfahrt zur ersten Rechtskurve am Heinrichsruher Berg zu einem Massenunfall, in dessen Folge der Leipziger Fritz Schröder und der Hallenser Walter Bittner verstarben. Auslöser für diesen schrecklichen Unfall war die australische Gespannbesatzung Urguhart/Forster. Bei einem Überholversuch des schlecht gestarteten Arsenius Butscher versperrte ihm der Australier die Fahrbahn. Beim Ausweichversuch kam er von der Strecke ab und löste eine Kette von unglücklichen Verknüpfungen aus, in dessen Folge die beiden ostdeutschen Sportfreunde verstarben. Es sollte der letzte Lauf für viele Jahre sein, denn erst im Jahre 1992 standen die Gespanne wieder auf dem Programm. Doch es kam noch härter für den Schleizer Veranstalter – ab 1961 verschwanden die beiden großen Soloklassen (350 u. 500 ccm) von den ostdeutschen Rennstrecken. Lediglich bei den Weltmeisterschaftsläufen auf dem Sachsenring blieben die Publikumsmagneten erhalten. Einer der Gründe für diese Streichung war sicherlich, dass in Ostdeutschland keine Motorräder mehr in diesen Hubraumklassen produziert wurden.

Besonders die positive Entwicklung von MZ - zwischen 1958 bis hinzu den 70-er Jahren - schlägt in Schleiz in den Ergebnissen voll zu Buche. MZ sollte sich nicht nur hier zur dominierten Marke entwickeln, sondern auch den anderen Rennstrecken der damaligen DDR.

Es gibt wohl kaum einen Spitzenfahrer aus der damaligen DDR, der sich nicht mit einer MZ-RE in die Siegerlisten dieser Rennstrecke einschreiben konnte. Dazu gehört auch der ehemalige Werksrennfahrer Heinz Rosner. Allerdings brauchte er dazu acht Anläufe, bis er endlich 1968 die Klasse bis 250 ccm in Schleiz gewinnen konnte. Trotz der vielen technischen Missgeschicke die dem Vogtländer auf dem Dreieck wiederfuhren, ist das Dreieck bis zum heutigen Tag seine Lieblingsrennstrecke geblieben.

   Ab 1961 waren die Rennwagen die
 Attraktion in Schleiz
Um zumindest teilweise die Zugkraft der Rennveranstaltung zu erhalten, mussten sich die Verantwortlichen um den damaligen Rennleiter Kurt Uibel etwas einfallen lassen. Dazu wurden die Automobile an den Start geholt, die bis dahin nur einmal im Rahmenprogramm standen. Doch zunächst begann das Ganze mit einem Fehlschlag, wegen Nebel konnte u.a. auch das internationale Formel Junior-Rennen nicht gestartet werden. Es begann eine schwere Zeit für die Mitglieder der Rennleitung – ein erneuter Kampf um das Überleben der Strecke setzte ein. Die schweren Unfälle in den Jahren 1957 und 1958, Rennabbruch 1959 und 1961, sowie die Streichung der einzelnen Klassen hatten einen spürbaren Zuschauerschwund zur Folge. Sie wurden 1961 noch auf die Spitze getrieben, als sich der ADMV- Hauptschiedsrichter öffentlich äußerte, Schleiz aus dem Terminkalender zu streichen. Die Begründung: mangelnde Sicherheitseinrichtungen, hohe Unfallquote, ungünstige Witterungsbedingungen und keine festen Nebenanlagen. Die Äußerung blieb nicht ohne Folge, einige Jahre musste gegen das Gerücht angekämpft werden, das Schleizer Dreieckrennen findet nicht mehr statt. Dem unermüdlichen Kampfgeist der Schleizer ist es zu verdanken, dass die Strecke erhalten blieb. Daraufhin erfolgten endlich die dringend notwendigen Veränderungen an der Strecke, es verschwanden u.a. die Bäume im Bereich der Seng. Die Straße von der Waldkurve bis nach Schleiz hinein wurde verbreitert. Zum 30-jährigen Jubiläum (1963) wurde das massive Zielrichterhaus unmittelbar am Fahrerlager fertig gestellt. Es löste das Bretterhaus der ersten Jahre, das nach dem Rennen wieder abgebaut wurde bzw. den Omnibushänger der Nachkriegszeit ab.

Sorgenfalten bereiteten dem Veranstalter Mitte der 60-er Jahre die Zuschauerresonanz. Im Jahre 1967 war 15 000 Besuchern der absolute Tiefpunkt erreicht! Erst in den siebziger Jahren sollten sich die Zuschauerzahlen zu neuen Höhen aufschwingen. Ausgerechnet in diesem Zeitraum setzte in Schleiz eine Entwicklung ein, die das Rennen zum wichsten Wagenlauf in Ostdeutschland werden lies. Der Bekanntheitsgrad des Schleizer Dreiecks unter den internationalen Formel 3 –Piloten stieg von Jahr zu Jahr an. Insbesondere in England wurden nicht nur die Fahrer, sondern gleichfalls die Presse („Motoring News“ und Autosport“) auf den Kurs aufmerksam. Sicherlich spielte dabei auch der reizvolle und etwas abenteuerliche Blick hinter den Eisernen Vorhang eine Rolle. Unbestreitbar - mit Freddy Kottulinsky, Ulf Svensson (beide Schweden), Jürg Dubler, Berhard Baur (beide Schweiz) und Ole Vejlund (Dänemark) gastierte ein Teil der europäischen Formel 3-Elite in Schleiz. Damit sollte im Jahre 1971 abrupt Schluss sein, es war das endgültig das letzte internationale Formel 3-Rennen auf diesem Kurs. Die sportfeindlichen DTSB-Beschlüsse verhinderten schließlich zwei Jahre später gänzlich den Start von westeuropäischen Motorsportlern, sowohl bei den Autos und als auch bei den Motorrädern.

   Janos Drapal der ungekrönte
 König in Schleiz
Bemerkenswert – Freddy Kottulinsky schaffte 1969 mit seinem Lotus - BMW einen neuen Streckenrekord von 154,5 km/h. Erst 14 Jahre später gelang es einen Wagenrennfahrer diesen Rekord zu brechen. Es war Uli Melkus, der bekanntesten Wagenrennfahrer des Osten, der für viele Schlagzeilen auf dem historischen Kurs sorgte.

Die Jahre nach 1973 blieben ausschließlich den Motorsportlern aus dem Ostblock vorbehalten. Es sollte die Glanzeit von Janos Drapal werden. Kein anderer Fahrer erreichte in der Geschichte des Schleizer Dreiecks mehr Siege, wie der vierfache ungarische Grand Prix-Sieger. Zwischen 1974 und 1984 konnte er insgesamt 13-Mal als Sieger die Rennen in den Klassen 125 und 250 ccm beenden.

Bei den Automobilrennen entwickelten sich die Pokalläufe der sozialistischen Länder –Tourenwagen und Rennwagen - immer mehr zum Publikumsrenner in dieser Zeit. Über 100 000 Zuschauer an einem Rennwochenende waren keine Seltenheit!

Besonders Rennleiter Gerhard Elschner (1973 – 1992) ist es in dieser Zeit zu verdanken, dass sich das Schleizer Dreieck Rennen stets weiter entwickelte, trotz massiver Schikanen der SED und der Sportführung.
In jedem Jahr gab es eine bauliche Veränderung, das Dreieck entwickelte sich zur Rennstrecke Nummer eins in der DDR. Nirgendwo anders wurde mehr gebaut als hier. So entstand 1974 die Rücklaufstrecke und die Bäume am Buchhübel wurden abgeholzt. 1978 kamen die Schutzschalen für die Streckenposten hinzu, um nur einiges zu nennen. Auch das Fernsehen konnte sich dem Schleizer Rennen nicht mehr entziehen und sendete 1979 erstmalig live. Nur mit einem konnten sich die Fans nie richtig anfreunden, sie wollten "richtige" internationale Rennen sehen. Doch bis dahin musste noch einige Zeit vergehen. Erst 1989 erlaubte der ADMV den Schleizern in der Klasse bis 80 ccm einige Westeuropäer starten zu lassen. Dieses Problem erledigte sich 1990, mit der politischen Wende in der damaligen DDR von selbst. Noch 1988 gelang den Schleizern ein weiteres Husarenstück, sie verkürzten die Rennstrecke und nahmen die nicht mehr zeitgemäße Haarnadelkurve in der Ortslage der Stadt Schleiz aus dem Streckenverlauf heraus. Dieser Schritt ermöglichte bis zum vergangenen Jahr ein weiteres Fahren auf dem alten Kurs, auch wenn zwischenzeitlich wieder einmal das Aus für die Rennwagen (1990) kam.

Im letzten Pokallauf der sozialistischen Länder für Rennwagen bis 1600 ccm auf dem Schleizer Dreieck im Jahre 1989 setzten sich die beiden sowjetischen Fahrer Asmer und Kasankow noch ein Denkmal. Sie brannten mit 2:24,64 Minuten, gleich 169, 024 km/h einen neuen Rundenrekord in den Belag. Bis zum endgültigen Aus der Strecke erreichte kein Fahrer weder mit dem Automobil, noch mit dem Motorrad diese Geschwindigkeit. Auch den absoluten Streckenrekord fuhr Toivo Asmer auf seinem Estonia in diesem Rennen mit rund 165 km/h und geht somit in die ewigen Analen der Thüringer Rennstrecke ein.
Die 60. Rennveranstaltung - 1993 – sollte als ein weiterer Höhepunkt in die Geschichte eingehen. Erstmals war Schleiz wieder ein Austragungsort für einen Deutschen Meisterschaftslauf des vereinten Deutschlands. Allerdings lehnten die Spitzenfahrer der Superbike-Klasse einen Start ab. Aus ihrer Sicht war die Strecke nicht für die Spitzengeschwindigkeiten dieser Klasse geeignet. Dies tat jedoch der Veranstaltung keinen größeren Abbruch. Trotzdem säumten über 50 000 Fans die Strecke und sie wurden für ihr Kommen belohnt. Während im Vorjahr das Gespannrennen nur als erster Versuch gewertet werden durfte, kam es in diesem Jahr zu einem absoluten Knaller. Die gesamte Weltelite gab sich ein Stelldichein, u.a. Webster (GB), Biland (CH), Klaffenböck (A) und Bohnhorst (D). Nach einem dramatischen Fight holte sich schließlich die Besatzung Webster/Simmons vor Klaffenböck/Parzer den Sieg. Die Gespannfahrer waren begeistert von der Strecke und vom Publikum. Bei welchem Grand Prix oder internationalen Rennen sind sie schließlich die Hauptakteure? Sofort gab es Stimmen unter den Fahrern, Schleiz sollte einen Weltmeisterschaftslauf für Gespanne erhalten. Doch es sollte sich in der Zukunft, wie so vieles, nur als eine Seifenblase erweisen. Ein anderer Name tauchte erstmalig im Jahre 1993 in der Siegerliste auf – Jürgen Fuchs, dem späteren GP-Fahrer gelang in den folgenden Jahren sogar ein Hattrick. Er steht stellvertretend als Beweis dafür, dass ein Sieg in Schleiz stets verbunden ist mit einer hohen fahrerischen Klasse.

Der Gespann WM-Lauf kam zwar nie, doch zumindest wurde der inoffizielle Europameisterschaftslauf für die Dreiräder ab 1995 regelmäßig ausgetragen. Im Jahr 2002 erfolgte der endgültige Schlussstrich auf der historischen Rennstrecke. Der DMSB erteilte ausgerechnet für das 80.Jubiläumsjahr keine Genehmigung mehr für ein Rundstreckenrennen auf der Straßenrennstrecke, doch so überraschend kam diese Mitteilung für niemand. Schon lange forderte der DMSB einen Umbau der Strecke. Besonders die Ortsdurchfahrt durch Oberböhmsdorf und die schnelle Passage im sogenannten Schauerschacht entsprechen nicht mehr den Sicherheitsanforderungen unserer Zeit. Immer wieder tauchten neue Konzepte für das Schleizer Dreieck, sogar von einem Motodrom war zwischenzeitlich die Rede. Doch schon damals gab es Quertreiber in unserer Region, somit konnten die finanziellen Mittel nie aufgebracht werden und die Projekte verschwanden wieder in den Schreibtischen.

Unser Dank geht an den Verfasser Jürgen Müller.

 

Einzelinterviews
Traum ODER Wirklichkeit? – Die Zunkunft des Schleizer Dreiecks

Walther Röhrl
Ehemaliger Rallye-Weltmeister

Hans-Joachim Stuck
Ehemaliger Formel 1-Fahrer / Präsident, Deutscher Motorsport Bund

Jochen Maas
Ehemaliger Formel 1-Fahrer

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff
Initiator und Entwickler, Bilster Berg Driver Resort

Dr. Stefan Brungs
Geschäftsführung Vertrieb/Marketing, Bugatti Automobiles SAS

Christian Uhrig
Marketing Leiter, Jaguar Land Rover Deutschland GmbH

Hannes Neupert
Vorsitzender, ExtraEnergy e.V. / Pedelec-und E-Bike-Experte

Knut Beinlich
Teamchef, Beinlich Racing Team e.V.

Justin Hänse
Fahrer, Beinlich Racing Team e.V.

Max Köhler
Fahrer, AMC Schleizer Dreieck e.V., im ADAC

Michael Krings
Vorstand, MSC Schleizer Dreieck e.V. im ADAC

Kläger
Bernd Reiße

Heinrich XIII. Prinz Reuß
Initiator „PRO Schleizer Dreieck“

 

Veranstaltungen auf dem Dreieck 2016

06.-08.05.2016
Kart & Pocketbike Kinder-und Jugendtraining
Veranstalter:

27.-29.05.2016
FSP World of Motorcycle-Schleizer Dreieck
Veranstalter: AMC Schleizer Dreieck e.V. im ADAC

05.06.2016
7. Schleizer Dreieck Jedermannrennen
Veranstalter: TRF Thüringer Sportmarketing GmbH

05.06.2016
ADAC Fahrradturnier im Fahrerlager
Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

24.-26.06.2016
Trabant-Treffen im Fahrerlager
Veranstalter: Trabant Freunde Schleiz

01.-03.07.2016
SPARKASSEN-ADAC Klassik
Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

09.07.2016
Traditionstreffen für Traktoren, IFA-Nutzfahrzeuge und Oldtimer, im Fahrerlager Schleizer Dreieck
Veranstalter: Gerd Zeuner

22.-24.07.2016
Schleizer Dreieck VfV-Oldtimer – Revival „Freddy Kottulinsky“
Veranstalter: Betreibergesellschaft Schleizer Dreieck

29.-31.07.2016
IDM SUPERBIKE 2016
82. Internationales Schleizer Dreieckrennen

Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

17.09.2016
Oldtimertreffen im Fahrerlager + Ausfahrt
Veranstalter: Gerd Zeuner

18.09.2016
51. Oldtimer-Teilemarkt im Fahrerlager Oberböhmsdorf
Veranstalter: Gerd Zeuner

07.-09.10.2016
Kart + Pocketbike Event auf dem Schleizer Dreieck
Veranstalter: MSC "Globus" Pausa e.V. im ADAC

01.05.2016
50. Oldtimerteilemarkt im Fahrerlager
Veranstalter: Gerd Zeuner

06.-08.05.2016
Kart & Pocketbike Kinder-und Jugendtraining
Veranstalter:

27.-29.05.2016
FSP World of Motorcycle-Schleizer Dreieck
Veranstalter: AMC Schleizer Dreieck e.V. im ADAC

05.06.2016
7. Schleizer Dreieck Jedermannrennen
Veranstalter: TRF Thüringer Sportmarketing GmbH

05.06.2016
ADAC Fahrradturnier im Fahrerlager
Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

24.-26.06.2016
Trabant-Treffen im Fahrerlager
Veranstalter: Trabant Freunde Schleiz

01.-03.07.2016
SPARKASSEN-ADAC Klassik
Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

09.07.2016
Traditionstreffen für Traktoren, IFA-Nutzfahrzeuge und Oldtimer, im Fahrerlager Schleizer Dreieck
Veranstalter: Gerd Zeuner

22.-24.07.2016
Schleizer Dreieck VfV-Oldtimer – Revival „Freddy Kottulinsky“
Veranstalter: Betreibergesellschaft Schleizer Dreieck

29.-31.07.2016
IDM SUPERBIKE 2016
82. Internationales Schleizer Dreieckrennen

Veranstalter: MSC "Schleizer Dreieck" e.V. im ADAC

17.09.2016
Oldtimertreffen im Fahrerlager + Ausfahrt
Veranstalter: Gerd Zeuner

18.09.2016
51. Oldtimer-Teilemarkt im Fahrerlager Oberböhmsdorf
Veranstalter: Gerd Zeuner

07.-09.10.2016
Kart + Pocketbike Event auf dem Schleizer Dreieck
Veranstalter: MSC "Globus" Pausa e.V. im ADAC